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Schiller - mehr heiter als wolkig
Rainer Hauer rezitierte den deutschen Dichter und Denker

Von Gerhard Otterbein

„Das war großes Theater!“ Darüber waren sich die Zuschauer im Rokokosaal des Hohhaus-Museums in Lauterbach einig. Das Rezept des Veranstalters (Museums- und Kulturverein) ging auf: Man nehme einen toten deutschen Dichter und einen wahrlich lebendigen Wiener Burgschauspieler, der Texte von und über Friedrich Schiller, Parodien und kuriose Theateraufführungen und -pannen rezitiert. Heraus kam eine heitere Mixtur.
Rainer Hauer, der gebürtige Österreicher, bot seine ganze Schauspielkunst und Stimmengewalt auf, worauf die vielen kulturinteressierten Menschen mit Begeisterung und viel Applaus reagierten. Hauer war Schiller! Gleichzeitig wob er ein humorvolles Netz, mit dem sich der Dichter gerne umgab. Die Frage, wer war der Mensch, der den deutschsprachigen Völkern so viele schöne Zitate und Gedichte schenkte, wurde beantwortet. Es entstand ein zum Greifen nahes Bild der Person Schiller.

Bild: Otterbein

„Die Axt im Haus erspart den Zimmermann“ oder „Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt“ - sind bis heute in aller Munde. Von den toten, deutschen Dichtern, er starb am 9. Mai 1805 46-jährig in Weimar, ist Schiller wohl am häufigsten in unserem täglichen Leben präsent. Das zeigte auch die zweistündige Veranstaltung, deren Initiator Dr. Georg Striehl, Vorgänger der aktuellen Museumsleitung, gewesen war. Er wollte dem großen deutschen Dichter und Denker anlässlich seines 250. Geburtstages ein Podium in Lauterbach bieten.
Hauer rezitierte im ersten Teil viele biografische Texte, darunter: „Bittschrift“, „Körners Vormittag“, „Schnadahüpfel“, „Der bescheidene Gratulant“. Dieser Teil von Hauers Programm ließ bereits deutlich erkennen: Schiller mochte es im Leben eher heiter als wolkig, zumal er vom Leben nicht verwöhnt wurde. Immer knapp bei Kasse und gesundheitlich angeschlagen, sagte er dennoch gerne „Ja“ zu Tabak, Rotwein und Glücksspiel. Mit einem leeren Magen, leeren Rotweinflaschen und einer leeren Tabakdose ließe sich schlecht dichten, verkündete der Dichter ungeniert. Spaß und Denkvermögen kamen besonders in der Wohngemeinschaft mit Christian Gottfried Körner zum Tragen. Rainer Hauer fügte dem hinzu, dass trotz aller Ausgelassenheit Schiller stets den Intellekt hochhielt. Das schuf Raum für die nicht ganz ernst gemeinte Frage: War Friedrich Schiller das Vorbild für Rainer Langhans, den Mitbegründer der legendären „Kommune 1“ in Berlin? Gedichtet wurde dort auch. Zitat: „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“, welches aber mit Sicherheit nicht aus Schillers Feder stammte.

Bilder: Krauss

Nach der Pause schilderte der Burgschauspieler selbst erlebte, urkomische Theaterpannen, die, wie er sagte, vorwiegend bei Stücken von Schiller passierten. Auch kam er auf den metaphysischen Aspekt des „Heiteren“ bei Schiller zu sprechen, belegt durch Selbstzeugnisse, welche bewiesen, Schiller empfand das „Heitere“ als idealen Lebenszustand.
Rainer Hauer, Sprachwissenschaftler, Dr.phil. (Neuphilologie) und Schauspieler, gastierte zum dritten Mal in Lauterbach. Man kann bereits von einem Fankreis sprechen, über den er in der Kreisstadt verfügt. Der ehemalige Direktor des Grazer Schauspielhauses hat einige Hörbücher, darunter auch „Schiller, heiter“, herausgebracht, die auch im Buchhandel erhältlich sind.