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Wunderbare „schlaflose Nacht“ in Bad Salzschlirf
Jazz hat’s aus Lauterbach thematisierten die Nacht in Gesang, Lyrik und Spiel

Der Lauterbacher Chor „Jazz hat‘s“ hatte zur zweiten Aufführung seines Programm „Ich glaube an Nächte“ in den Kulturkessel Bad Salzschlirf geladen, und weit über 100 Gäste kamen. Diejenigen, welche bereits die erste Aufführung im Frühjahr gesehen hatten, äußerten zum Ende einmütig, dass nochmals eine erhebliche Qualitätssteigerung zu verzeichnen gewesen sei.
„Ich glaube an Nächte“, benannt nach einer Zeile aus einem Gedicht von Rainer Maria Rilke, ist ein Programm, das Chorgesang mit schauspielerischen Mitteln und Lyrik-Rezitation verbindet. Ein junger Mann, dargestellt von Stefan Pussel, verbringt eine einsame Nacht in einem Hotelzimmer. Er befindet sich beruflich sowie in Liebesdingen in einer Zeit des Wandels. Der Schlaf, von dem er sich Erlösung von Sorgen, Selbstzweifeln und Erinnerungen verspricht, will sich nicht einstellen. Er steht immer wieder auf, schaltet das Radio ein und aus, versucht es mit Rätseln und mit Monologen. Auf diese Weise bewegt sich das Stück durch die Nacht, von Gedicht zu Gedicht und von Lied zu Lied.
Die „Jazz hat‘s“ sind bekannt für ihre eindringlichen Programme, die Lyrik mit vorwiegend leiseren, gefühlvollen und anspruchsvollen Popsongs sowie Volksliedern verbinden. Gefühlvoll und eher nachdenklich war es auch hier, aber keineswegs rührselig oder Weltfremd. Vom fröhlichen Trinklied bis hin zum feurigen Schlagzeugsolo durch Stefan Pussel gab es auch markante und auch lustige Sequenzen, das Stück arbeitet viel mit feinem Humor und hat zwar fast ausschließlich innere Handlung, ist dabei jedoch höchst unterhaltsam und abwechslungsreich.
Die von der Chorleiterin Sabine Dietrich einstudierten „Jazz hat‘s“ boten für einen nicht-professionellen Chor eine erstaunlich homogene und präzise Leistung. Fast alle der sieben weiblichen und sieben männlichen Stimmen waren auch solistisch zu hören, ohne dass es dabei nennenswerte Schwachstellen gab. Stefan Pussel ist ein natürliches Showtalent und ebenfalls ein exzellenter Sänger, der mehrfach Szenenapplaus erhielt. Ein sorgfältig arrangiertes, weder zu karges noch zu üppiges Bühnenbild mit wirksamen Requisiten und die gekonnte Lichtregie taten neben der sehr guten Tontechnik ein Übriges, um in dem nicht unproblematischen Raum des Kulturkessels eine intensive Atmosphäre zu schaffen.
Die Zuschauer merkten schnell, dass die Akteure von „Jazz hat‘s“ die Texte von Autoren wie Rilke, Ringelnatz, Robert Gernhard, aber auch eigene Texte sowie die harmonischen Songs z.B. von Seal oder dem „Hit“ der „Jazz hat‘s“ von Jimmy Cliff „I can see clearly now“ nicht nur eingeübt hatten, sondern vor allem emotional umsetzten. So sprang der Funke über, das Publikum hing voll konzentriert an den Lippen der „Jazz hat‘s“ und applaudierte begeistert.

Bilder: Krauss